Consortinstrumente
Vorbilder
Die Vorbilder meiner Renaissanceblockflöten sind erhaltene Originalinstrumente aus verschiedenen europäischen Museen. Meine Instrumente weisen alle typischen Züge der Originalinstrumente auf, generell ohne den Versuch moderner ‘Verbesserungen’. Alle meine Flöten haben z.B. eine leicht konische Bohrung, einen gebogenen Windkanal und Labium, unterschnittene Fingerlöcher und eine schlichte äußere Form. Die tiefen Flöten sind mit Schwalbenschwanzklappe und Fontanelle versehen. Da die Vorbilder meiner Flöten von verschiedenen Instrumentenbauern stammen und oft unterschiedliche Stimmungen haben, war es jedoch notwendig, bei den einzelnen Flötenmodellen geringe Änderungen gegenüber dem Originalinstrument vorzunehmen, um die Flöten dadurch in Stimmung und Klang zu einer musikalischen Ganzheit werden zu lassen. Keine dieser Änderungen überschreitet jedoch die Grenzen, die von den originalen, erhaltenen Renaissanceblockflöten einmal gesetzt wurden.
Fingerlöcher
Die Fingerlöcher sind wie bei den Originalinstrumenten angebracht: die oberen sechs auf der Vorderseite liegen auf einer Linie, das siebte Loch ist an zwei Stellen der Flöte gebohrt, nämlich jeweils rechts und links von der Mitte, passend für den rechten oder linken kleinen Finger, davon abhängig welche Hand der Spieler zuunterst an der Flöte hat. Das Loch, das dann nicht benutzt wird (heutzutage meistens das linke), ist mit Wachs ausgefüllt. Bei den größeren Flöten wird das siebte Loch mit einer Klappe bedient, die ebenfalls symmetrisch geformt ist und ungeachtet welche Hand unten liegt, gleich gut erreicht werden kann. Für Flötenspieler mit kleinen Händen können Größe und Lage der Fingerlöcher manchmal Probleme machen. In besonderen Fällen kann die Lage der Fingerlöcher nach Absprache geändert werden.
Griffe
Normalerweise werden die Flöten mit originalen Renaissancegriffen gebaut (hier sind beim neunten Ton alle Fingerlöcher offen), aber bei den kleineren Modellen (Sopranino bis Bassflöte) ist es auch möglich, die Flöte mit der barocken Griffweise für den neunten Ton zu bestellen (hier ist beim neunten Ton das zweite Loch von oben gedeckt, alle andere Löcher sind offen).
Teilung
Normalerweise werden die Flöten – wie die Originalinstrumente – in einem Stück gebaut, aber auf Bestellung können einige Modelle auch in zwei Teilen gemacht werden (Teilung zwischen Labium und Fingerlöchern). Bei der Oktavbaßflöte kann der Fussteil immer abgenommen werden.
Die Benennung der verschiedenen Blockflötengrößen
Die Bezeichnung der Größen von Blockflöten hat sich im Laufe der Zeit und je nach Region unterschiedlich entwickelt und ist bis heute nicht standardisiert, weder unter Musikern noch unter Wissenschaftlern oder Instrumentenbauern. Die erste Quelle aus der Renaissance, in der Blockflötengrößen benannt werden, ist Sebastian Virdung im Jahr 1511. Dort wird festgestellt, dass das „Standard“-Quartett jener Zeit aus einem Bassus in f, einem Tenor in c’, einem Altus (ebenfalls) in c’ und einem Discantus in g’ bestand. Die beiden Mittelstimmen in einem vierstimmigen Satz wurden somit von Blockflöten gleicher Größe gespielt, und Tenor und Altus scheinen eher anzugeben, welche Stimme sie in der polyphonen Komposition zu spielen hatten, als ihre Größe oder Tonlage zu bezeichnen. Diese Perspektive findet sich auch bei Praetorius im Jahr 1619 wieder, wo die Anzahl der verschiedenen Tonlagen im Vergleich zum Standardquartett sowohl nach oben als auch nach unten erweitert wird. In seiner Übersicht der Tonumfänge weist er beispielsweise der Blockflöte in c’ (Tenor) keinen spezifischen Namen zu, sondern merkt an, dass sie in unterschiedlichen Kontexten als Bassus, Tenor, Altus oder Cantus fungieren kann.
Mangels klarer historischer Bezeichnungen für die Größen habe ich mich entschieden, von Virdung auszugehen und beispielsweise die Blockflöte in f als Bass, die Blockflöte in c’ als Tenor und die Blockflöte in g’ als Diskant zu bezeichnen. Für die größeren Blockflöten in c und B habe ich — unter anderem in Anlehnung an Praetorius’ Bezeichnungen für die tieferen Dulziane — die Bezeichnungen Quartbass bzw. Quintbass gewählt. Für die höheren Modelle, für die es keine historischen Namen gibt, habe ich moderne Begriffe wie Alt, Sopran und Sopranino verwendet.
Kombination von Blockflöten in Consorts
Blockflöten der Renaissance eignen sich ideal für das Ensemblespiel, da sie jeder Stimme der Komposition die größtmögliche Klarheit verleihen und sich zugleich klanglich gut miteinander verbinden. Wie oben erwähnt, bestand das gebräuchlichste Quartett in der Hochrenaissance (ca. 1550) aus einer Diskantflöte in g’, zwei Tenorflöten in c’ und einer Bassflöte in f. Der Großteil der überlieferten vierstimmigen Musik kann mit dieser Besetzung gespielt werden und erklingt in 4’-Lage, also eine Oktave über der notierten Tonhöhe.
Für einen tieferen, weicheren Klang kann man dieselben Stücke auch auf einem transponierenden Quartett spielen, bestehend aus einem Tenor in c’, zwei Bässen in f und einem Quintbass in B; oder auf dem tiefen Quartett (klingend in notierter Lage bzw. 8’-Lage), bestehend aus einem Basset in g, zwei Quartbässen in c und einem Oktavbass in F. Wenn man sich auf Musik aus dem späten Teil der Renaissance (gegen Ende des 16. Jahrhunderts) in 4’-Lage konzentriert, kann es vorteilhaft sein, das Standardquartett um einen Sopran in c” und einen Alt in f’ zu ergänzen; diese sind auch in vielen Stücken aus der früheren Zeit nützlich, die in modernen Ausgaben ausgewählt wurden.
Klanggestaltung, Voicing
Der Großteil der Musik, die während der Renaissance auf Blockflöten gespielt wurde, war Vokalmusik, die in erster Linie für Sänger geschrieben war, jedoch – entsprechend der damaligen Praxis – auch instrumental ausgeführt werden konnte. Bei dem Voicing meiner Blockflöten habe ich angestrebt, ihnen eine gesangliche Qualität zu verleihen: einen Ton und eine Artikulation, die im Zusammenspiel in einem Consort möglichst getreu die Harmonie und Ausgewogenheit eines gut abgestimmten Vokalensembles widerspiegeln. In diesem Sinne sind die höheren Blockflöten des Ensembles so gebaut, dass sie im Klang nicht schrill oder gegenüber den tieferen Instrumenten dominierend wirken.
Stimmung
Die Tonhöhen originaler Renaissanceblockflöten liegen zwischen etwa 430 und 470 Hz. Meine Blockflöten werden entweder auf a’ = 440 Hz oder a’ = 466 Hz (nominell) gebaut. Die meisten Modelle sind auf a’ = 440 Hz gestimmt, entsprechend dem heute am weitesten verbreiteten Kammerton. Um jedoch Ensembles entgegenzukommen, die auf höherer Stimmung spielen, biete ich auch die Standardgrößen der Renaissance (Bass in f, Tenor in c’ und Diskant in g’) auf 466 Hz gestimmt an.
Unabhängig von der Tonhöhe sind alle Blockflöten in mitteltöniger Stimmung gebaut, in der die großen Terzen vollkommen rein sind. Neben ihrer historischen Angemessenheit erleichtert diese Stimmung das exakte Intonieren reiner Akkorde erheblich. In der mitteltönigen Stimmung ist der Ton A relativ tief, weshalb stattdessen C als Referenzton gewählt wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass a’ bei 437,4 Hz bzw. 463,2 Hz liegt (siehe Diagramm). Wenn der Kunde jedoch A als Referenzton statt C wünscht, ist dies als Sonderanfertigung möglich. Dabei wird a’ exakt auf 440 bzw. 466 Hz gestimmt, und im Gegenzug liegen z. B. die Töne F, C und B höher als in der entsprechenden gleichschwebenden Temperatur.
Modelle in 440 Hz
| Modell | Vorlage | Umfang | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Sopranino in g" | (eigene Konstruktion) | g"-e"" | |
| Sopran in d" | Wien SAM 131 | d"-c'''' | |
| Sopran in c" | Wien SAM 131 | c"-h''' | |
| Diskant in g' | Frankfurt/Main x/4265 | g'-f''' | |
| Alt in f' | Frankfurt/Main x/4265 | f'-eb''' | |
| Tenor in c' | Brüssel 1024 | c'-b" | relativ enge Bohrung |
| Tenor in c' | Wien SAM 150 | c'-b" | relativ weite Bohrung |
| Bassett in g | Brüssel 2646 | g-f" | direkt angeblasen, eine Klappe |
| Bass in f | Brüssel 1031 | f-d" | Kapsel mit Anblasloch, eine Klappe |
| Quart bass in c | Brüssel 188 | c-a' | Kapsel mit Anblasrohr, eine Klappe |
| Quint bass in B | Verona 13245 | B-g' | Kapsel mit Anblasrohr, eine Klappe |
| Octave bass in F | Paris E2141 | F-d' | Kapsel mit Anblasrohr, eine Klappe |
Modelle in 466 Hz
| Modell | Vorlage | Umfang | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Diskant in g' | Frankfurt/Main x/4265 | g'-f''' | |
| Tenor in c' | Wien SAM 150 | c'-b" | |
| Bass in f | Brüssel 4358 | f-d" | Kapsel mit Anblasrohr, eine Klappe |
Materialien und Verarbeitung
Die Flöten werden aus Birnenholz oder gebeiztem Ahorn gebaut. Kapsel und Fontanelle sind bei den entsprechenden Flöten mit Messingringen versehen. Die Oberfläche wird mit Leinöl behandelt. Bei der Herstellung wird ausschließlich mit traditionellen Handwerksmethoden gearbeitet, und jedes einzelne Instrument wird mit größter Sorgfalt gebaut. Während der Justierung von Klang und Stimmung wird jede Flöte lange gespielt, damit sich der Klang später so wenig wie möglich ändert. Dies schließt jedoch nicht aus, daß sich das Holz künftighin “setzen” kann. Deshalb empfiehlt es sich, die Flöte hin und wieder zum Nachsehen in meine Werkstatt zu schicken.
Klangbeispiele mit den Renaissanceblockflöten finden Sie hier.